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WeinBildProbe #04: Kunstgalerie statt Pathologie

Was wir von den Alten Meistern über selektive Lichtregie lernen müssen, damit aus dem digitalen Verkaufsraum eine Bühne wird, die das Gehirn des Kunden augenblicklich versteht.

Erinnern Sie sich, wie es sich anfühlt, durch die Säle einer großen Kunsthalle, durch ein ehrwürdiges, altes Museum zu streifen und plötzlich vor einem Stillleben des späten 16. oder frühen 17. Jahrhunderts wie vom Donner gerührt innezuhalten? Der Weg bis zu diesem Halteort war eine Mischung aus kalkulierter Inszenierung der Architekten, Raumplaner, Ausstellungsgestalter, ergänzt durch den Einfluss des Alltäglichen und des Allzumenschlichen: Straßenlärm bricht sich in den riesigen Räumen, durchmischt von zu einem eigenen Soundtrack verschmolzenem Gemurmel der anderen Museumsbesucher. Im Nachbarsaal quietscht die Gummisohle eines Sneakers auf dem spiegelblanken Boden und klingt dabei wie der Ruf eines seltenen exotischen Vogels. Eine Klimaanlage fächelt Ihnen beim Vorbeigehen an einem mannshohen Gitterrost einen kühlen Hauch entgegen.
Und plötzlich ist da dieses Stillleben, das im Bruchteil eines Moments Ihre ganze Wahrnehmung an sich saugt, das den Raum um Sie herum zu einer zwar kleiner aber durchaus nicht unbehaglichen Blase, die nur Sie und dieses Ölgemälde einfasst, verengt. Der Sie umgebende Schall und seine Echos, das über die Lichtschächte einfallende Licht, das Quietschen der Sneakers auf dem harten Boden haben nicht aufgehört zu existieren. Nur Ihre Wahrnehmung drängt diese Ereignisse von Ihnen weg, weil Ihre Augen jetzt um die Unterstützung Ihrer anderen Sinne bitten, um dieses Werk vor Ihnen zu erkunden.

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