Wer in der Nähe einer Grundschule wohnt, kennt möglicherweise diese Erfahrung. Eben singen die lieben Kleinen noch hübsch im Chor. Fröhliche Lieder strömen aus den weit geöffneten Fenstern der Schulaula und erheben die Herzen der Anwohner. Und dann kommt die Große Pause …
Eben noch gezügelt von Takt und Tonart, rasen die Choristen über den Schulhof und brüllen sich die Seele aus dem Leib. Jeder verfolgt dasselbe Ziel: Aufmerksamkeit. Also wird geschrien, gerannt, gerufen. ‚Hier bin ich! Sieh mich! Fang mich! Spiel mit mir!‘ Und immer wieder von Anfang bis endlich die Glocke zur nächsten Stunde schellt und sich der aufgewirbelte Staub des Pausenhofs allmählich wieder senkt.
Warum kommt uns dieses Bild vom Pausenhof gerade dann, wenn wir doch eigentlich über Weinmarketing zum Beispiel in social media nachdenken wollen?
Haben Sie schon einmal über die Anwohner nachgedacht? Wissen Sie, wie es denen zurzeit der Großen Pause geht? … Die hören die schreienden Kinder einfach gar nicht mehr.
Mit diesem Satz könnte der heutige Blog-Beitrag enden.
Doch genau hier beginnt unsere Untersuchung:
Warum erzeugt Weinmarketing immer mehr Kommunikation – und immer weniger Orientierung?
Weinmarketing wird immer lauter. Und doch bleibt vom Lärm erstaunlich wenig hängen. Viel Lärm um Nichts? Viel Lärm für Nichts. So sieht es aus.
Die Anwohner haben nicht aufgehört zu hören.
Sie haben aufgehört zuzuhören.
Vielleicht liegt genau darin der erste Irrtum modernen Weinmarketings. Im mächtigen Unterschied zwischen Hören und Zuhören. Auf beiden Seiten des Verkaufstresens.
Lauter werden hilft nicht. So viel scheint sicher. Dennoch wird es immer lauter. Warum?
Daraus ergeben sich weitere Fragen.
Warum bauen schöne Bilder nur selten eine Marke auf?
Warum scheitert Lesbarkeit bereits auf der kleinsten Ebene?
Warum führt eine ständig wachsende Bilderflut oft zu immer geringerer Wiedererkennbarkeit?
Und warum erzählen so viele Betriebe Geschichten, obwohl ihre Kunden zunächst vor allem Orientierung suchen?
In den kommenden Wochen werden wir diese Fragen einzeln untersuchen. Nicht nach Geschmack. Sondern nach den Gesetzen menschlicher Wahrnehmung.
Denn manchmal genügt ein Blick auf einen lärmenden Schulhof, um zu verstehen, warum Kommunikation scheitert.
WeinBildProbe. Weil Wahrnehmung messbar ist.
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